Kultur- und Heimatverein

            Falkensteiner Vorwald e.V.

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Karies schon vor 16 Millionen Jahren

Text und Fotos: Heinz Glashauser

Nach einem Vortrag von Elmar Betz

 

Der Kultur- und Heimatverein Falkensteiner Vorwald e.V.  hatte zu seinem Kulturstammtisch am Donnerstag, 8. Oktober 2009, Elmar Betz eingeladen, der einen äußerst interessanten Vortrag mit dem Titel „Charivari aus dem Leben eines aufmerksamen Natur- und Geschichtsfreundes“ hielt. Zunächst erklärte er, dass es sich bei dem Begriff Charivari nicht um einen Radiosender handle, sondern Charivari ursprünglich eine Brustkette war, an der allerlei Schmuck hing. Den Begriff Charivari könnte man also am besten mit „Allerlei“ oder „Durcheinander“ erklären.

Elmar Betz präsentierte nun dieses „Durcheinander“, das er im Laufe seines Lebens angesammelt hat. Zunächst erklärte er, dass viele Versteinerungen (z. B. Ammoniten) aus der Kreidezeit (bis vor 120 Millionen Jahren) und Tertiärzeit (bis vor 60 Millionen Jahren) oder gar als Trilobiten aus dem Kambrium (vor etwa 500 Millionen Jahren) stammen und dass die Versteinerungen unter Luftabschluss gebildet wurden. So gibt es etwa den Innenabdruck eines Gehäuses, das sich mit Schlamm oder Kalk füllt. Das Gehäuse zerfällt und es bleibt der Innen-abdruck durch eine langsame Versteinerung.

Eine andere Möglichkeit der Versteinerung ist, dass tote Tiere etwa durch Kieselsäure versteinert wer-den. Eine dritte Möglichkeit ist der Einschluss etwa eines Insektes in Bernstein.

 

 

                            Elmar Betz mit Backenzahn

 

 

 

Die berühmteste Versteinerung sei wohl der Archaeopteryx, der im Solnhofer Plattenkalk gefunden wurde und vor etwa 150 Millionen Jahren (in der Jura-Zeit) gelebt haben dürfte. Der Archaeopteryx wurde als Urvogel bezeichnet und dürfte etwa so groß wie eine Taube gewesen sein. Der erste Fund dieses Urvogels wurde für 3,5 Millionen DM nach Amerika verkauft. Mittlerweile gibt es schon mehr Funde dieser Art.

Nun präsentierte Elma Betz seine Kostbarkeiten: Versteinerte Muscheln, Ammoniten, versteinerte Quallen, Seelilien, Seeigel und Meeresschwämme, die so ähnlich aussahen wie versteinerte gelbe Rüben. Er präsentierte einen Mammutzahn, den er bei Grubmühle (Falkenstein) gefunden und in Kunstharz gegossen hatte. Denn solche Zähne haben die bedauerliche Eigenschaft, dass sie, falls sie nicht präpariert werden, mit der Zeit zerfallen.

Auch Versteinerungen fand er in unserer Gegend, obwohl wir hier Granitgestein und kein Kalkgestein haben. Er erklärte sich die Funde so, dass die Steine wohl in Folge eines Straßen- oder Wegebaues den Weg in unser Gebiet gefunden hätten.

In diesem äußerst interessanten Allerlei fand sich ein fast kreisrunder Stein, der auf den ersten Blick aussah, wie eine Kanonenkugel. Aber dazu war er wiederum zu wenig rund. Es handelte sich vielmehr um eine runde Feuersteinkugel. Interessant waren auch die Geschichten, wie die Objekte den Weg zu ihm gefunden hatten. Die Steinkugel etwa hatte der Finder auf einer Holzablage hinter dem Wohnzimmertisch platziert. Eines Tages rollte die Kugel von der Holzablage auf den Glastisch und zerschlug die Glasplatte. Daraufhin wollte die Frau die Kugel nicht mehr im Haus haben. So gelangte sie zu Elmar Betz.

Ein  anderes Objekt aus dem Sammelsurium war ein kleiner Meteorit, der für seine Größe ein ziemlich schweres Gewicht hatte. Eines der interessantesten Objekte war ein uraltes Pferdegebiss (s. Bild oben), dessen Alter nicht genau bestimmt werden konnte. Erstaunlich war die gute Erhaltung; es fehlte kein einziger Zahn.

Zum Schluss präsentierte Elmar Betz noch einen riesigen Stockzahn. Dieser Stockzahn dürfte wohl von einem Gomphoterium stammen. Ein Gomphoterium war eine Art Urelefant, der etwa zwei Meter hoch wurde und vor 16 – 17 Millionen Jahren lebte. Hätten damals schon Menschen gelebt und hätte es damals schon Zahnärzte gegeben, so hätten diese Zahnärzte wohl viel Arbeit mit dem Gomphoterium gehabt. Der riesige Zahn wies starke Karies auf und das Tier dürfte wohl unter argen Schmerzen gelitten haben.

 

 Backenzahn eines Gomphoteriums ca. 16. Mill. Jahre
(Zum Vergleich: links klein ein menschlicher Stockzahn rechts klein ein Pferdezahn)

 

 

 

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